Pflichtteil

Auch im Anwendungsbereich der Höfeordnung (HöfeO) gelten für das Pflichtteilsrecht dem Grunde nach die allgemeinen Regelungen des Erbrechts nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), also auch § 2303 BGB: Danach kann ein Abkömmling vom Erben den Pflichtteil verlangen, wenn der Erblasser ihn durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen hat (§ 2303 Abs. 1 S. 1 BGB). „Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils“ (§ 2303 Abs. 1 S. 2 BGB).

Der weichende Erbe kann nach der Höfeordnung eine Abfindung vom Hofeswert verlangen: Das ist faktisch sein Erbanspruch in Höhe seiner Erbquote nach den allgemeinen Regeln des Erbrechts nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

Setzt der Erblasser und Hofeigentümer einen seiner Abkömmlinge oder seinen Ehegatten bzgl. des Hofvermögens „auf den Pflichtteil“, so reduziert sich dessen Anspruch gegen den Hoferben auf die Zahlung des Pflichtteils vom Hofeswert.

Beispiel:

Der verwitwete Hofeigentümer / Erblasser verstirbt. Er verfügt in seinem Testament, dass sein Kind K1 den Hof erben soll und sein Kind K2 vom Hofeswert (80.000 EUR) nur den Pflichtteil erhalten soll.

Die Abfindung des K2 hätte hier gemäß seiner Erbquote 1/2 vom Hofeswert und damit 40.000 EUR betragen. Da der Erblasser K2 "auf den Pflichtteil setzte", kann K2 von K1 bzgl. des Hofeswertes gemäß seiner Pflichtteilsquote – Hälfte der gesetzliche Erbquote – von 1/4 vom Hofeswert und daher nur 20.000 EUR verlangen.